Der Arbeitsmarkt im Dezember 2020

|Arbeitswelt und Beruf

Zum Jahresende ist die Zahl der Arbeitslosen im Nordschwarzwald gegenüber dem Vormonat um 212 oder 1,4 Prozent auf 15.097 zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim dagegen um 4.216 oder 38,7 Prozent gestiegen. Hier zeigen sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den regionalen Arbeitsmarkt sehr deutlich.

Die Arbeitslosenquote – bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen – blieb im Vergleich zum Vormonat unverändert bei 4,4 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 3,2 Prozent.

„Ich bin erleichtert, dass sich der Arbeitsmarkt auch im zweiten Lockdown robust zeigt und ein noch stärkerer Einbruch ausgeblieben ist“, so die Chefin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, Martina Lehmann, zu den aktuellen Zahlen. Ursächlich hierfür sei insbesondere der massive Einsatz von Kurzarbeit, durch den viele Arbeitsplätze gesichert werden konnten, aber auch das schnelle, unbürokratische und gemeinsame Handeln aller Partner am Arbeitsmarkt, so die Arbeitsmarktexpertin.

„2020 war ein unglaublich forderndes Jahr, keine Frage. Die Corona-Pandemie hat einen bereits schwächer werdenden Arbeitsmarkt im Nordschwarzwald mit voller Wucht getroffen“, so Lehmann. Unter erschwerten Bedingungen mussten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim in den letzten Monaten Enormes leisten, damit die finanziellen Hilfen rechtzeitig ankommen. Dieser Einsatz hat sich gelohnt. „Durch die schnelle Auszahlung von Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld konnten wir die Not vieler betroffener Betriebe, Beschäftigter und Arbeitsloser in dieser schwierigen Zeit lindern“, sagte die Agenturchefin.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat zum Jahresende erwartungsgemäß nachgelassen. Dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim wurden im Dezember 840 zu besetzende Stellen gemeldet, 258 oder 23,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

 

Arbeitslose

Insgesamt meldeten sich im Verlauf des Monats 2.747 Männer und Frauen neu oder erneut arbeitslos. Das waren 224 oder 7,5 Prozent weniger als im Dezember 2019. Gleichzeitig konnten 2.932 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 138 oder 4,9 Prozent mehr als vor einem Jahr.

 

Rückblick 2020

Im Jahresdurchschnitt gab es im Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim 14.787 Arbeitslose, 3.937 oder 36,3 Prozent mehr als im Durchschnitt des Jahres 2019.

„Die engagierte Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Arbeitsagentur und Jobcentern haben einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass wir einen neuen Negativrekord bei der Arbeitslosigkeit in unserer Region verhindern konnten“, so die Agenturchefin. Die Arbeitslosigkeit lag noch deutlich unter dem bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2005 mit 21.225 Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt und auch die Werte von 2009 (17.490) und 2010 (15.953) wurden unterschritten.

In allen zwölf Monaten des Jahres lagen die Arbeitslosenzahlen jeweils über dem Vorjahreswert. Der Jahreshöchstwert wurde im August erreicht. Im Hauptferienmonat waren 17.054 Menschen arbeitslos gemeldet, 5.584 oder 48,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Nach dem Ende der Ferienzeit kam es ab September zu einer schrittweisen Erholung am Arbeitsmarkt. Trotz des kontinuierlichen Rückgangs gab es am Jahresende noch immer 4.216 oder 38,7 Prozent mehr Arbeitslose als zwölf Monate zuvor.

 

Kurzarbeit

Nach der Verschärfung des Lockdowns gingen im Dezember bei der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim weitere 328 Anzeigen auf konjunkturelles Kurzarbeitergeld für 3.087 Beschäftigte ein. Die Anzeigen kamen dabei erstmals auch aus Branchen, die bisher zu den Profiteuren der Corona-Krise zählten, wie etwa von Baumärkten.

Anzeigen bilden ab, ob und in welchem Umfang Betriebe Kurzarbeit planen. Erst wenn die Löhne abgerechnet sind und der Antrag bei der Agentur für Arbeit gestellt wurde, zeigt sich, in welchem Umfang tatsächlich kurzgearbeitet wurde.

Zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit liegt eine neue Hochrechnung vor. Nach dieser waren im August im Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim 23.292 Beschäftigte in 2.220 Unternehmen in Kurzarbeit. Im Juli waren es noch 36.312 Beschäftigte in 2.718 Betrieben. Der Höchstwert wurde im Mai mit 54.477 Beschäftigten in 4.128 Betrieben erreicht. Da Unternehmen drei Monate Zeit haben, den Antrag auf Kurzarbeitergeld bei der Arbeitsagentur einzureichen, liegen die Zahlen für die realisierte Kurzarbeit erst mit zeitlicher Verzögerung vor.

„Der Strukturwandel hat durch die Corona-Pandemie deutlich an Fahrt gewonnen. Ich rate den Unternehmen, die Zeit der Kurzarbeit für die Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu nutzen, um sie für die Arbeit von morgen fit zu machen. Die Beraterinnen und Berater der Arbeitsagentur begleiten diese dabei von der Bedarfserhebung bis zur Umsetzung und Förderung der Qualifizierung“, so Lehmann.

 

Entwicklung nach Rechtskreisen

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (Arbeitslosengeld I) waren im Dezember 9.099 Männer und Frauen arbeitslos, 215 oder 2,3 Prozent weniger als im November aber 3.186 oder 53,9 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Im Bereich der steuerfinanzierten Grundsicherung (Arbeitslosengeld II – Hartz IV) gab es 5.998 Arbeitslose, drei oder 0,1 Prozent mehr als im Vormonat und 1.030 oder 20,7 Prozent mehr als im Dezember 2019.

 

Regionale Arbeitslosenquoten nach Geschäftsstellenbezirken

Unter den sieben Geschäftsstellen der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim hat Calw mit 3,2 Prozent den besten Wert. Es folgen Nagold mit 3,6 Prozent, Mühlacker mit 3,7 Prozent, Freudenstadt mit 3,8 Prozent, Horb mit 3,9 Prozent, Bad Wildbad mit 4,7 Prozent und Pforzheim mit 5,3 Prozent.

 

Entwicklung in den Landkreisen und der Stadt Pforzheim

Die unterschiedlichen Strukturen innerhalb des Agenturbezirkes haben auch im Dezember zu einer großen Bandbreite der Arbeitslosenquoten geführt. Sie liegt zwischen 3,5 Prozent im Enzkreis und 7,5 Prozent im Stadtkreis Pforzheim.

 

Landkreis Calw

Die Arbeitslosenquote blieb im Vergleich zum Vormonat unverändert bei 3,6 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 2,8 Prozent. Insgesamt waren 3.339 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, davon 2.187 (65,5 Prozent) in der Arbeitslosenversicherung und 1.152 (34,5 Prozent) in der Grundsicherung. Im Dezember wurden 262 Stellenangebote gemeldet. Das waren 59 oder 18,4 Prozent weniger als im Vormonat und 35 oder 11,8 Prozent weniger als im Dezember 2019. Derzeit sind 1.055 offene Stellenangebote im Bestand, 62 oder 5,6 Prozent weniger als vor einem Jahr.

 

Enzkreis

Die Arbeitslosenquote blieb im Vergleich zum Vormonat unverändert bei 3,5 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 2,3 Prozent. Damit belegt der Enzkreis Platz zwölf in Baden-Württemberg. Insgesamt waren 3.917 Menschen arbeitslos gemeldet, davon 2.712 (69,2 Prozent) in der Arbeitslosenversicherung und 1.205 (30,8 Prozent) in der Grundsicherung. Im Dezember wurden 200 Stellenangebote gemeldet. Das waren sieben oder 3,6 Prozent mehr als im Vormonat und 46 oder 18,7 Prozent weniger als vor einem Jahr. Aktuell sind 924 offene Stellenangebote im Bestand, sechs oder 0,6 Prozent weniger als im Dezember 2019.

 

Landkreis Freudenstadt

Die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 3,8 Prozent und damit um 0,1 Prozentpunkte niedriger als im November. Vor einem Jahr lag sie bei 2,8 Prozent. Insgesamt waren 2.715 Menschen arbeitslos gemeldet, davon 1.661 (61,2 Prozent) in der Arbeitslosenversicherung und 1.054 (38,8 Prozent) in der Grundsicherung. Im Dezember wurden 204 Stellenangebote gemeldet. Das waren 33 oder 13,9 Prozent weniger als im Vormonat und 136 oder 40,0 Prozent weniger als im Dezember 2019. Aktuell sind 1.125 offene Stellenangebote im Bestand, 207 oder 15,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

 

Stadt Pforzheim

Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent zurück. Vor einem Jahr lag sie bei 5,4 Prozent. Damit belegt Pforzheim unter allen 44 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg, hinter Mannheim (7,3 Prozent), den letzten Platz. Insgesamt waren 5.126 Menschen arbeitslos gemeldet, davon 2.539 (49,5 Prozent) in der Arbeitslosenversicherung und 2.587 (50,5 Prozent) in der Grundsicherung. Im Dezember wurden 174 Stellenangebote gemeldet, sieben oder 3,9 Prozent weniger als im Vormonat und 41 oder 19,1 Prozent weniger als im Dezember 2019. Derzeit sind 774 offene Stellenangebote im Bestand, 63 oder 7,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

 

Stellenmarkt

Mitte Dezember waren im Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim 3.878 zu besetzende Stellen gemeldet, 338 oder 8,0 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Trotz einem pandemiebedingten Rückgang blieb der Stellenbestand damit im langjährigen Vergleich weiterhin hoch.

 

Folgende weitere Informationen stehen Ihnen zur Verfügung:

 

Quelle: Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim

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