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Schnelles Internet ist Basis für wirtschaftlichen Erfolg

|Unternehmen und Region
Podiumsdiskussion mit den Referenten. Von links: Sven Gábor Jánszky, Klaus-Peter Hoffmann, Dr. Micheal Zügel, Moderator Dr. Jörg Schmidt, Jürgen Lück, Klaus Mack und Simon Japs.

Eine schnelle Internetverbindung ist heutzutage für Unternehmen eine unabdingbare Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Deshalb haben der Regionalverband, die Wirtschaftsförderung und die IHK Nordschwarzwald am Mittwoch, 6. November 2019 einen Breitbandgipfel in Calw-Hirsau organisiert.

Gekommen waren rund 100 Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung, Kommunal- und Landespolitik. Das Ziel der Bundesregierung war eigentlich bis 2018 eine bundesweit
flächendeckende Breitbandinfrastruktur mit einer Downloadrate von 50 Mbit/s zu gewährleisten. Zwar hat der Nordschwarzwald insgesamt eine
Abdeckung von 85 Prozent, wenn es um eine Anbindung mit 50 Mbit/s geht. Im Detail zeichnet sich jedoch ein anderes Bild. Von den 28 Gemeinden im Enzkreis beispielsweise haben vier Gemeinden, namentlich
Tiefenbronn, Neuhausen, Wurmberg und Engelsbrand, eine Breitbandabdeckung von unter 50 Prozent. Im Kreis Calw ist das sogar bei fünf Gemeinden der Fall.
Diese Zahlen machen die Notwendigkeit des Breitbandgipfels deutlich.

„Eine moderne Infrastruktur ist ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen“, unterstrich Jochen Protzer, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung NSW. „In Stuttgart gibt es eine Kooperation mit der Telekom,
die dort über eine Milliarde Euro in den Ausbau investiert“, so Matthias Proske, Direktor des Regionalverbandes NSW. So eine Zusammenarbeit könne doch auch in dieser Region möglich sein, warf Proske in den Raum.
Wie wichtig schnelles Internet in Zukunft sein wird, verdeutlichte ein Vortrag von Sven Gábor Jánszky, Zukunftsforscher der Denkfabrik 2B AHEAD. „Quantencomputer werden bald eine schnellere Auswertung
von Echtzeitdaten ermöglichen“, erläuterte der Wissenschaftler, und solche Daten seien „das Öl der Zukunft“. Diese Datenverarbeitung erlaube zuverlässige Prognosen und bringe dadurch einen Wettbewerbsvorteil. Eine Internetanbindung mit Gigabit-Bandbreiten sei für solche Prozesse die unabdingbare Basis. Als Vertreter der Landesregierung war der Amtschef im Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Andreas Schütze vor Ort. Auch er bekräftigte die Wichtigkeit des Breitbandausbaus. Doch gebe es auch Schwierigkeiten wie die Topgraphie des Schwarzwalds oder die Rentabilität für Telekommunikationsunternehmen. Deshalb sei eine enge Kooperation mit diesen Unternehmen notwendig. „Wir haben zudem die Fördermittel und -kriterien des Landes angepasst“, erklärte Schütze die Bemühungen der Landesregierung.

In der anschließenden Podiumsdiskussion trafen Michael Zügel, Referatsleiter für digitale Infrastruktur im Landesinnenministerium, der Bad Wildbader Bürgermeister und Vorsitzende des Regionalverbandes NSW Klaus Mack sowie Karl-Peter Hoffmann vom Verband Kommunaler Unternehmen auf Jürgen Lück, Konzernbevollmächtigter der Telekom für den Südwesten und Simon Japs, Director Public Policy der Unitymedia. Zügel bestärkte die Wichtigkeit von Kooperationen der Kommunen mit den Telekommunikationsunternehmen. Dazu verwies er auf die Kosten. „80 bis 90 Prozent der Ausgaben verursacht der Tiefbau beim Breitbandausbau“, so der Referatsleiter.
Auch Lück betonte lokale Besonderheiten beim Ausbau. Er bekräftige jedoch die Verpflichtung für den ländlichen Raum. „Das Herz der Digitalisierung schlägt bei uns lokal“, so Lück. Außerdem investiere die Telekom jährlich über 4 Milliarden Euro in das Breitbandnetz. Zudem verwies er auf das erfolgreiche Modell der Kooperation in Stuttgart. Japs verwies auf die regionale Präsenz von Unitymedia. „Wir tragen rund 80 Prozent der Kosten des Ausbaus selbst“, so Japs. Und dabei sei
die Rentabilität für sein Unternehmen gerade im ländlichen Raum wegen der hohen Gesamtkosten oft gering. Klaus Mack betonte, dass die Bürger wenig Interesse für Zuständigkeiten
hätten. „Die wollen das es funktioniert“, so Mack. Deshalb hätten die Gemeinden des Kreises Calw selbst 14 Millionen in den Ausbau des Basisnetzes investiert. Allerdings fehle dieses Geld dann beispielsweise für Schulen oder Kindergärten. Hier nahm er die Landesregierung in die Pflicht, für bessere Förderungen zu sorgen.

„Ohne Breitbandanschluss können die Unternehmen ihre Arbeit nicht machen“, fasste Martin Keppler, Hauptgeschäftsführer der IHK NSW, den Gipfel zusammen. Man bräuchte diesen Ausbau so schnell wie möglich, sonst stehe der Wohlstand der gesamten Region auf dem Spiel. Auch seien die angepeilten 50 Mbit/s eigentlich schon zu wenig. „Wir brauchen Verbindungen im Gigabitbereich, um beispielsweise Anwendungen aus der Cloud nutzen zu können“, mahnte er. Die Bundesregierung hat einen flächendeckenden Ausbau von Gigabitnetzen bis 2025 versprochen. Es bleibt abzuwarten, ob die selbstgesteckten Zielvorgaben diesmal erreicht werden.

Text- und Bildquelle: Regionalverband Nordschwarzwald

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